Gotland (Frederik Broman 4) – Håkan Östlundh

rezension-2Das herbstliche Idyll auf der Insel Gotland wird jäh durch einen Doppelmord gestört: In der Villa der wohlhabenden Familie Traneus werden die Leichen der Hausherrin Kristina und die eines bis zur Unkenntlichkeit verstümmelten Mannes gefunden. Bei letzterer handelt es sich nicht wie die Polizei vermutet um Kristinas Ehemann Arvid, sondern um seinen Cousin Anders, mit dem Kristina ein Verhältnis hatte. Arvid Traneus, ein gefühlskalter Geschäftsmann, ist kurz zuvor aus Tokio heimgekehrt, wo er die letzten zehn Jahre als Unternehmensberater verbrachte und ein Vermögen angehäuft hat. Der für seine Brutalität bekannte Arvid scheint wie vom Erdboden verschluckt und bleibt auch als Kriminalkommissar Frederik Broman und sein Team die Ermittlungen aufnehmen unauffindbar. Hat Arvid in einem Eifersuchtsanfall seine Frau und ihren Liebhaber ermordet? Für die Familie von Anders steht Arvid als Mörder fest. Die Ermittler befragen die erwachsenen Kinder von Kristina und Arvid: laut Tochter Elin sei diese Theorie durchaus denkbar, zumal Arvid seine Frau immer wieder misshandelt hatte – Sohn Ricky allerdings will davon nichts wissen und nimmt seinen Vater in Schutz. Als noch eine Leiche gefunden wird stehen die Ermittler vor einem weiteren Rätsel …

 Was sich laut Klappentext wie ein spannender Kriminalroman entstehend aus einer Familientragödie anhört, entpuppt sich zäher und langatmiger Brocken. Dem Leser werden direkt zu Anfang mehrere Handlungsstränge serviert, zum einen erfährt man von Familie Traneus und Arvids geplanter Rückkehr, die bei seiner Frau Kristina eher eine Schockstarre als Wiedersehensfreude auslösen, zum anderen über den Mord an Kristina und ihrem Liebhaber (und Cousin ihres Ehemannes) Anders Traneus. Außerdem gibt Einschübe in die Handlung, die zeitlich versetzt von der Einlieferung des schwer verletzten Fredrik Broman ins Krankenhaus erzählen, wo er erst um sein Leben kämpft und es fraglich bleibt, ob er sich je wieder richtig erholt. Klingt prinzipiell nach einer guten Idee, aber hapert an der Umsetzung: das viele Hin- und Her zwischen den Handlungssträngen strapaziert den Leser und lässt so keinen Lesefluss entstehen.

Der Plot bleibt dabei sehr mittelmäßig und ist gesprenkelt mit langatmigen Sequenzen, die den Spannungsbogen im Keller halten. Das Buch bedient sich dabei sehr eines sehr einfach gehaltenen Sprachstils, bei dem ich mich an die Hauptschule erinnert gefühlt habe (Hier gleich als Warnung: wer zimperlich ist und grausige Details und Kraftausdrücke meidet, sollte von Gotland die Hände lassen). Ob letzteres der Feder des Autors oder der des Übersetzers entspringt, kann ich nicht sagen. Apropos Übersetzung: Gotland ist der vierte Band der Frederik Broman Reihe, aber der erste der auf Deutsch übersetzt wurde und das macht sich auch bemerkbar – durch Andeutungen auf das Privatleben der Ermittler, die man schlucken muss, aber nicht erklärt werden. Was sich der Verlag dabei gedacht hat, den vierten Band, aber nicht die vorhergehenden Bände, zu übersetzen, erschließt sich mir leider nicht.

Mit mittelmäßigem Stoff, zäh und unübersichtlich umgesetzt, ist „Gotland“ ein Krimi den man NICHT unbedingt in seiner Sammlung haben muss. Das können leider auch die großteils sympathischen Ermittler nicht retten. Schade. 2 von 5 Punkten für dieses Buch:

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s