Erbarmen (Carl Mørck #1) – Jussi Adler-Olsen

rezension-2Merete Lynggard erwacht in völliger Dunkelheit in einem Verlies aus Beton, ohne jegliche Erinnerung wie sie dorthin gekommen ist. Nach 126 Tagen Gefangenschaft ertönt plötzlich eine blecherene Stimme: „Du bist jetzt hier seit 126 Tagen, und das ist unser Geburtstagsgeschenk: Das Licht wird von nun an ein Jahr lang eingeschaltet bleiben. Es sei denn, du weißt eine Antwort: Warum halten wir dich fest?“ Eine Frage, die Merete nicht beantworten kann…

Vizekriminalkommissar Carl Mørck, ein guter aber nicht unbedingt beliebter Ermittler bei der Kopenhagener Polizei, überlebt einen schiefgegangenen Einsatz, muss dabei aber mitansehen, wie ein Kollege stirbt und der zweite querschnittsgelähmt bleibt. Der für seine Vorgesetzten unbequem gewordene Mørck wird von diesen kurzerhand wegbefördert: er wird der alleinige Ermittler des neu ins Leben gerufene Sonderdezernats Q, das sich mit alten brisanten Fällen beschäftigen soll, die ungelöst sind. Ihm zur Seite gestellt wird dabei der Syrer Hafez el-Assad, der Carl als „Mädchen für alles“ unterstützen soll. Eigentlich war Mørck darauf eingestellt, seine Zeit abzusitzen und nur widerwillig macht er sich mit Assad an die Arbeit. Ihr erster gemeinsamer Fall wird das Verschwinden der jungen, aufstrebenden Politikerin Merete Lynggard, die fünf Jahre zuvor von Bord einer Fähre verschwand und seither nicht wieder aufgetaucht ist. Nachdem Carl aber die unglaubliche Nachlässigkeit seiner Kollegen bei der ersten Ermittlung auffallen, verbeißt er sich in den Fall und deckt mit Assad Unglaubliches auf…

In seinen Debüt verwebt der Däne Jussi Adler-Olsen virtous die Geschichte des Martyriums von Merete Lynggard mit den 5 Jahre später stattfindenden Ermittlungen Carl Mørcks. Geschickt verwebt er die zeitlich versetzten Handlungsstränge zu einem packenden Thriller, der, obwohl er ein eher langsames Tempo veranschlägt, den Spannungsbogen immer oben hält und kaum aus der Hand zu legen ist. Der kettenrauchende, missmutige und teilweise arrogante Carl Mørck und sein immer fröhlicher Assistent Assad bilden ein schräges, beinahe komödiantisches Duo, die einen krassen Gegensatz zu Meretes trauriger und grausamer Geschichte darstellen. Mørck ist trotz seiner Arroganz kein unsympathischer Charakter und auch wenn er durch den Verlust zweier Kollegen, deren Ableben/ Verletzung er miterleben musste, traumatisiert ist, gehört er nicht zu diesen gebeutelten Ermittlern, die den Markt überschwemmen und von denen man schnell genervt ist. Und Assad mit seiner pfiffigen Art muss man sofort gernhaben, obwohl er noch sehr geheimnisvoll mit seiner Vergangenheit hinter dem Berg hält.

Mit seinem recht einfachen, klaren aber nicht zu primitiven Schreibstil erzeugt Adler-Olsen einen angenehmen Lesefluss, der auch durch die Szenenwechsel nicht gestört wird. Obwohl man schon recht früh erraten kann, wie die Stränge zusammenlaufen, stört das die Spannung keineswegs, da der Autor eine unglaublich dichte Atmosphäre erzeugt hat, die einen nicht loslässt. Die erstklassig erzählte Handlung ist in sich schlüssig und wird auch logisch abgeschlossen ohne offene Fragen zu hinterlassen.

Für mich ist „Erbarmen“ sicher eines der Highlights des Jahres und hat mich sehr neugierig gemacht, wie es mit dem ungleichen Ermittlerduo wohl weitergeht. Volle Punktzahl!

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