Das fehlende Glied in der Kette (Hercule Poirot) – Agatha Christie

rezension-2Captain Arthur Hastings kommt wegen einer Kriegsverletzung zurück in seine Heimat als er einem alten Freund begegnet, der ihn auf den Familien-Landsitz einlädt. Hastings folgt dieser Einladung um sich dort zu erholen, doch die Idylle trügt. Das Gut, dass Johns Stiefmutter Emily Inglethorpe mitsamt dem Vermögen geerbt hat, beherbergt neben John selbst und seiner Frau noch Johns Bruder Lawrence, eine Nichte Cynthia, die Hausangestellte Eve und nicht zuletzt Mrs. Inglethorpes zweiten, um viele Jahre jüngeren, Gatten Alfred. Letzterer wird bei den anderen Hausbewohnern nicht gerne gesehen, da er es in ihren Augen nur auf das Geld seiner Frau abgesehen hat, und er ist auch der Grund für einen Streit zwischen Mrs. Inglethorpe und Eve, der damit endet, das Eve des Hauses verwiesen wird. Eve bittet bei ihren Weggang Arthur Hastings ein Auge auf die Hausherrin zu haben, da sie Gefahr für jene vermutet: und richtig, kurz danach stirbt Emily Inglethorpe an Strychninvergiftung. Als Hastings Gewahr wird, dass sich Hercule Poirot in der Nähe aufhält, ruft er ihn zur Hilfe und Poirot beginnt zu ermitteln…

Bereits Agatha Christies Debut „Das fehlende Glied in der Kette“ wartet mit allem auf, was später so typisch für ihre Bücher ist: die ausgeklügelte Handlung, der feine britische Humor, Poirots Art, die Dinge noch zusätzlich zu verkomplizieren und den Fall am Ende vor Publikum aufzulösen. Christie führt den Leser wie bei einer Schnitzeljagd auf unzählige falsche Fährten und verblüfft munter mit zahlreichen Wendungen, bevor sie zur Auflösung kommt.  Durch ihre bildreiche Sprache fällt es dem Leser nicht schwer direkt in das Geschehen einzusteigen und sich das Gut und seine Bewohner vorzustellen.

John Cavendish ist ein alter Bekannter von Hasting und er ist es auch der den Kriegsversehrten auf den Familienlandsitz einlädt. Durch John erfährt man, dass Johns Vater in seinem Testament das Familienvermögen inklusive Landsitz seiner zweiten Frau und Johns Stiefmutter, Emily, vermacht hat. So sind sowohl John und seine Frau Mary als auch sein Bruder Lawrence von Emily abhängig und leben auf dem Landsitz. Dass sich Stiefmutter Emily nun mit ihrem ehemaligen Privatsekretär Alfred Inglethorpe verheiratet hat, stößt bei ihren Stiefkindern auf wenig Freude. Auch die anderen im Haushalt lebenden Personen wie Cynthia Murdoch, die Nichte einer Schulkameradin von Mrs. Cavendish, Haushälterin Evie Howard und den Dienstmädchen und Gärtnern ist der neue Herr des Hauses ein Dorn im Auge. Alle sind einhellig der Meinung dieser hätte es nur auf Emily’s Vermögen abgesehen – wobei das wohl auch auf die „Verwandtschaft“ zutrifft. Vor allem Haushälterin Evie hält damit nicht hinterm Berg und wird von der Hausherrin schließlich hinausgeworfen. Die Menschen, die Agatha Christie entworfen hat, sind allesamt unglaublich unsympathisch: von der störrischen unbelehrbaren Hausherrin, über den selbstzufrieden frischgebackenen Ehemann bis hin zu den ums Vermögen gebrachten Verwandten, deren einzige Sorge ist, dass Inglethorpes Einfluss auf Emily ihnen auch das Heim nehmen könnte. Soweit die handelnden Personen. Diese Figuren allerdings bleiben etwas platt, da sie zwar einige grundlegende Eigenschaften bekommen, aber keine tiefergehende Beschreibung. Selbst von Hastings und Poirots Vergangenheit erfährt man recht wenig.

Obwohl dieses Buch nicht unbedingt zu meinen Favoriten der Queen of Crime gehört, habe ich mich entschlossen, von ihren Büchern dieses als erstes zu rezensieren, da es sich um ihr Debut handelt. Dass ich „Das fehlende Glied in der Kette“ nicht zu meinen Lieblingen zähle, liegt nicht an Christies Art zu schreiben – tatsächlich zählt Agatha Christie seit beinahe zwei Jahrzehnten zu meinen Lieblingsautoren – sondern eher daran, dass mir alle Hausbewohner des Gutes Styles inklusive der ermordeten Hausherrin einfach zu wider waren. Die Handlung selbst, der Schreibstil und der feine, leicht trockene Humor haben bei mir einen dankbaren Abnehmer gefunden. Dafür verdient sich Agatha Christie immerhin 3 von 5 möglichen Punkten:

Eine kleine Anmerkung noch: Für viele zählen Agatha Christies Krimis auch zu den Cozys, da sie mit wenig Blut auskommen und auch Humor nicht missen lassen. Für mich allerdings fehlt bei ihren Büchern das „Rundherum“: man erfährt über die einzelnen Charaktere grade so viel wie für die Handlung nötig ist – mir persönlich ist das für einen Cozy aber zu wenig. Daher reihe ich die Agatha Christie Bücher in die Kategorie „Krimis“ statt zu den „Cozy Krimis“.

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