Mord im Pfarrhaus (Miss Marple) – Agatha Christie

rezension-2Colonel Protheroe ist tot. Die Trauer über sein Ableben hält sich in Grenzen, denn der Kirchenvorsteher war ein strenger, harter Mann. Sogar Reverend Clement, der Pfarrer, hatte einige Tage zuvor gemeint, dass jeder, der Colonel Protheroe um die Ecke bringe, der Welt einen Gefallen täte. Ein ganz und gar unchristlicher Gedanke. Dass der Colonel nun ausgerechnet erschossen im Arbeitszimmer des Pfarrhauses liegt, ist allerdings höchst unerfreulich. Ein handfester Skandal im beschaulichen Dorf St. Mary Mead! Die örtliche Polizei in Form des unverschämten Kommissar Slack und des aufrechten Colonel Melchett haben es nicht leicht: Beweise sind rar, aber an Verdächtigen mangelt es nicht – ganz oben auf der Liste stehen Anne Protheroe, des Colonels zweite Frau, und Lawrence Redding, ein junger Maler, der mit Anne eine Affäre hat. Als sie aber unabhängig voneinander beide den Mord auf äußerst ungewöhnliche Weise gestehen und sich herausstellt, dass die Geständnisse nicht zu den wenigen bekannten Tatsachen passen, vergrößert sich die Verwirrung nur noch. Auch Miss Marple, eine alte Jungfer mit sehr viktorianischen Ansichten die neben dem Pfarrhaus wohnt, ist über die Geständnisse überaus erstaunt. Nach Miss Marples Auffassung gibt es sieben Verdächtige – Doch wer könnte noch ein ausreichendes Motiv haben um den Kirchenvorsteher ins Jenseits zu befördern? Und wie passen die seltsamen Vorfälle der letzten Zeit ins Bild? Die Klatschbasen des Dörfchens laufen zu Hochtouren auf, beinahe jede will etwas gesehen oder gehört haben, während die Polizei weiter im Dunkeln tappt. Erst Miss Marple kann mit Menschenkenntnis und Scharfsinn Lichts ins Dunkel bringen…

„Mord im Pfarrhaus“, der zehnte Kriminalroman Christies, bezeichnet die Geburtsstunde der liebenswürdigen ältlichen Amateur-Detektivin Miss Jane Marple. Da Agatha Christie damals nicht ahnte, welche Berühmtheit die Altjungfer einmal erlangen sollte, ist sie hier eher im Hintergrund angesiedelt. Mit viel feinem Humor erzählt dieser Band vom Mord am unbeliebten Kirchenvorsteher Protheroe und Miss Marples erstem Auftreten als Hobby-Detektivin. Die Rolle des Erzählers übernimmt der etwas begriffsstutzige Pfarrer, Reverend Lennard Clement, der in seiner Art gerne an Poirots getreuen Vasall, Captain Arthur Hastings, erinnert. Sein Bericht beginnt bereits einige Tage vor dem Mord, wo er beim Essen mit seiner Gattin Griselda und seinem Neffen Dennis über Colonel Protheroes Verdacht, es hätte Unterschlagungen der Kirchengelder gegeben, erzählt und dabei die unbedachten Worte äußert, dass jeder der den selbstgerechten Kirchenvorsteher um die Ecke brächte, ein gutes Werk täte. Der Reverend selbst ist es, der den toten Colonel wenig später im Arbeitszimmer des Pfarrhauses erschossen auffindet. Die Leser begleiten den Reverend bei seinen Gesprächen mit Polizeibeamten, den beiden Geständigen und weiteren Bewohnern des kleinen Dörfchens, allen voran den vier größten Klatschbasen, zu denen auch die scharfsinnige Miss Marple gehört. Dass Clement uns an allem, was geschieht, gesagt oder getan wird, teilhaben lässt und mit Skizzen und Plänen unterlegt, lädt zum Miträtseln ein.

Die Autorin liefert nur, was für die Handlung benötigt wird und verzettelt sich nicht mit unnützen Angaben. Dennoch ist der Plot so angelegt, dass wirklich jeder als Täter in Frage kommt und mit einigen falschen Fährten führt die Schriftstellerin nicht nur den Reverend und die Polizei so manches Mal in die Irre. Hier springt Miss Marple ein, die mit psychologischem Feinsinn und ihren – später berühmten – Parallelen aus dem Dorfleben das Rätsel aufdröseln kann. Dabei hat sie nicht die aufdringliche selbstüberschätzende Art eines Hercule Poirot, die oftmals nervig werden kann, sondern nimmt durch ihr eher bescheidenes Wesen ein. Wo Poirot mit seinen grauen Zellen prahlt, führt Miss Marple ihre Kenntnis der menschlichen Natur ins Feld und zeigt – wenn sie mit ihrer blumigen Art zugibt, ihre Mitmenschen zu studieren – ein gewisses Maß an Selbstironie. Dass sie auch gerne Spitzfindigkeiten verteilt, trägt nur zum Charme des Buches bei.

Aber nicht nur mit ihrer neuen Detektivin hat Agatha Christie einen Volltreffer gelandet: die Mischung aus altmodischem Dorfambiente, schrulligen Charakteren und vertrackter Mordgeschichte sorgt dafür, dass man das Gefühl hat, mittendrin zu sein und so ganz in der Erzählung eintauchen kann. Dass die Auflösung des Falles dann auch noch für Überraschungen sorgt, tut sein Übriges.

Viele Rezensenten meinen „Mord im Pfarrhaus“ wäre nicht das beste Buch von Agatha Christie, aber Rezensionen sind ja zum Glück subjektiv und meiner Meinung das bietet die Mordsgeschichte im Pfarrhaus alles, was für mich ein tolles Lesevergnügen ausmacht  😉 Dafür gibt es die volle Punktzahl:

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