[Rezension] Engelskalt

Autor: Samuel Bjørk
Einband: Broschiert
Seitenanzahl: 576 Seiten
Veröffentlichung: 20. April 2015
Verlag: Goldmann Verlag

Ein kleines Mädchen erhängt im Wald. Eine Ermittlerin, die sich zum Sterben zurückgezogen hat. Ein Wettlauf gegen die Zeit.

Ein Spaziergänger hat das Pech die Leiche der kleinen Pauline Olsen zu finden. Mit einer Schultasche am Rücken und einem Schild um den Hals wurde das Mädchen mitten im Wald aufgehängt. Der in Ungnade gefallene Holger Munch bekommt den Fall übertragen und trommelt sein altes Team zusammen. Dazu zählt auch Mia Krüger, eine Ausnahme-Ermittlerin, die sich auf eine einsame Insel zurückgezogen hat um Selbstmord zu begehen. Dennoch lässt sie sich überreden in den Fall einzusteigen, vor allem, weil der Schluss naheliegt, dass Pauline nicht das einzige Opfer bleiben wird. Gemeinsam mit alten Kollegen und einem neuen Computerspezialisten nehmen Munch und Krüger die Ermittlungen auf, doch die Uhr tickt unbarmherzig…

„Engelskalt“ ist das Debüt des norwegischen Multitalents Frode Sander Øien, geschrieben unter dem Pseudonym Samuel Bjørk, und läutet außerdem die Reihe um das Ermittlerduo Holger Munch und Mia Krüger ein. Direkt auf den ersten Seiten bekommen wir die erste Tote serviert, danach folgt eine sehr umfassende Einführung von Holger Munch und Mia Krüger, wobei der Autor sehr häufig zwischen den beiden Figuren hin und her springt. Selbst jemandem, der den Klappentext nicht gelesen hat, wird dadurch sofort klar, dass es sich um die Hauptfiguren handelt. Leider bedient sich der Autor für die Figur Mia des beliebten Klischees vom gebeutelten, süchtigen Star-Ermittler, wie das scheinbar immer noch Trend ist. Ich fand das deutlich übertrieben und konnte mit ihr nicht so richtig warm werden. Auch die Handlungsweisen von Mia und Holger waren für mich nicht immer nachvollziehbar und ihre privaten Verwicklungen, in die sie sich manchmal verzetteln, waren teilweise sehr kurios. Vom restlichen Ermittlerteam wird dann eigentlich nur Gabriel Mørk, Neuzugang und Computergenie, mit genug Tiefe versehen um Eindruck zu hinterlassen, alle anderen werden so wenig angerissen, dass ich sie beinahe sofort vergessen habe.

Bjørk generiert mehrere Handlungsstränge und Nebenschauplätze und nimmt zahlreiche Wechsel zwischen jenen vor um den Leser zu packen. Großteils ist das wirklich gelungen und ich hatte es oft schwer, das Buch wegzulegen. Hier hat mich „Engelskalt“ ein wenig an die Bücher von Jussi Adler-Olsen erinnert. Vor allem, weil in Bjørks Erstling ebenso wie in den Carl Mørck Büchern Themen aufgegriffen werden, die teilweise heikel sind (Kindermord gehört meiner Meinung nach dazu). Samuel Bjørk beweist hier aber ein gutes Händchen und schafft es Spannung zu erzeugen ohne eine Blutorgie zu veranstalten. Auch Sprache und Schreibstil sind der seines dänischen Kollegen recht ähnlich, die Ausdrucksweise ist einfach, aber aussagekräftig und sorgen für flottes Vorankommen in der Geschichte. Allerdings scheint sich der Autor in der Vielzahl seiner Stränge zu verzetteln, was sich am Ende bemerkbar macht: die Haupthandlung wird zwar halbwegs schlüssig aufgelöst, aber es bleiben einige – nicht unwichtige, wie ich finde – Fragen offen, was in meinen Augen doch etwas unbefriedigend ist.

Engelskalt ist zwar ein solider Thriller, der durchaus Unterhaltungswert hat, aber auch einige Mängel wie stereotype Charaktere und ein nicht ganz befriedigendes Ende aufweist. Hoffen wir, dass Børk in seinem nächsten Buch das hier verschenkte Potenzial ausschöpft. Für seinen Erstling bekommt er von mir immerhin 3 von 5 Punkten.

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