Von Büchern, Borgern und Missgeschicken

Um mal den „Sonntalk“ wieder etwas abzustauben (obwohl wir heute Dienstag haben – Schande über mich)…

Wer Bücher verborgt, weiß, dass auch außerhalb der heimischen Bibliothek Gefahren für die Lieblingslektüre bestehen. Viele Bibliophile verleihen ihre Bücher daher gar nicht, weil man diese dann nicht immer in gutem Zustand zurückbekommt. Kleine und große Missgeschicke sind schliesslich schnell mal passiert. Dass der Missetäter dabei nicht immer derjenige ist, dem man das Buch geborgt hat, zeigt diese Geschichte:

Vor einigen Monaten hatten eine Freundin und ich abgemacht, dass ich ihr nach eigenem Gutdünken (so á la Überraschungspaket) ein paar Werke aus meiner umfangreichen Krimitheke leihe (nacheinander versteht sich), da ihr bisheriger Lesestoff einen verheerenden Mangel an Mord und Totschlag aufwies. Im Dezember ist meine Wahl dabei auf „Der Kruzifix-Killer“ von Chris Carter gefallen, weil ich das Buch persönlich ganz gut fand – auch wenn wieder mit Klischees um sich geworfen wird.

Für alle die Chris Carters Bücher nicht kennen: Man nehme einen gutaussehenden Detective, der auch noch superschlau ist, ein Kindheitstrauma mit sich schleppt und unter Schlaflosigkeit (oder seniler Bettflucht) leidet, vermische das mit einem erbarmungslosen Killer, der zu oft die SAW-Filme gesehen hat und mit einer Freude, die man eher von Kindern beim Weihnachtsgeschenke-Auspacken kennt, mordet, foltert und verstümmelt, packe noch ein paar Randfiguren und Nebenschauplätze dazu und fertig ist der Baukasten-Thriller. Dass mir das Buch dennoch gefallen hat, liegt wahrscheinlich daran, dass ich ein Löwenzahn unter den Lesern bin und einen starken Magen habe.

Den hat Gina scheinbar nicht. Oder sie hegt eine Abneigung gegen ultraclevere Superbullen. Vielleicht ist sie aber auch eine anspruchsvollere Leserin als ich. Dass sie das Buch tierisch schlecht fand, hat sie auf jeden Fall auf ihre ganz eigene Weise gezeigt. Denn Gina gehört zur Gattung Felidae – ist also eine Katze. Und hat ein beeindruckendes Rückwärtsessen über mein Buch hingelegt. Alle, die sich ob der Verschandelung des geborgten Thrillers gerade die Fußnägel abkauen, können aber aufatmen – ich habe nicht das angesabbelte Buch zurückbekommen, sondern ein neues Exemplar erhalten 😉 Da die ganze Sache ein Happy End hatte (zumindest für mich), fand ich die Geschichte ganz lustig und wollte sie mal mit euch teilen.

Wie ist das bei euch so? Verborgt ihr eure Bücher oder behaltet ihr die lieber für euch? Habt ihr ähnliche Geschichten auf Lager? Wem dazu etwas unter den Fingernägeln brennt, kann sich gern in den Kommentaren verewigen.

Einen schönen Nachmittag wünsch ich euch,

eure Antje

PS: Wer übrigens ähnlich zartbesaitete oder anspruchsvolle Haustiere beherbergt oder diese als Vorwand benutzt um zu weniger barbarischer Lektüre zu greifen, dem seien an dieser Stelle die Krimis von Agatha Christie, die Pippa-Bolle-Serie von Auerbach und Keller oder Alan Bradleys Flavia-de-Luce-Geschichten wärmstens empfohlen.

 

 

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2 Comments

  1. Klingt putzig und hatte immerhin einen guten Ausgang für dich. Leider denken nicht alle Leiher mit und mokieren sich bisweilen auch noch über „künstliches Aufregen“ oder „Überdramatisieren“, wenn man möglichst gefasst zum Ausdruck bringt, als pingeliger Buchliebhaber einen anderen Zustand bei Rückgabe erwartet zu haben … Von Kaffeebad über Rückenbruch bis hin zur riesigen Herde Eselsohren und bunten Leuchtverzierungen (aka Textmarkeranstrichen) hatte ich alles dabei. Dann war genug und ich verhängte mir selbst einen Ausleihstopp aus Prinzip. Der gilt für alle – ohne Ausnahme – und das nun schon seit Jahren! Meine Buchschätze und ich leben also in Frieden beisammen. Keine Verluste, keine Beschädigungen, einfach herrlich. Nur der tollpatschige Mann ist hin und wieder ein Risiko mit seinen zwei linken Händen und dem Drang alles umzureißen, runterzuwerfen etc. pp. ;o)

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  2. Das versteh ich. Ich hatte auch ein paar Mal das Pech an jemanden geraten zu sein, der mit meinen Büchern (oder auch CDs) nicht besonders sorgsam umgegangen ist – einmal habe ich verborgte Gegenstände auch gar nicht zurückbekommen, dem Leiher dann aber einen Amazongutschein im Wert der verlorenen Sachen abgepresst. Deswegen leihe ich auch nur noch ganz wenigen ausgesuchten Freunden (und meiner Mutter) Bücher oÄ. Wobei ich ja gestehen muss, dass mir selber auch schon blöde Hoppalas passiert sind – Stichwort Lesen in der Badewanne 😀 – aber zum Glück nie mit fremden Sachen.

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